„Bergischer“ Bundesligastart ohne Bestbesetzung

Nach dem achten Meistertitel startet der 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim mit Selbstvertrauen, aber vorerst nicht mit dem Topaufgebot in die Spielzeit

von: David Benedyczuk

Es ist der erste Bundesliga-Auftritt nach einer Bilderbuchsaison im deutschen Oberhaus, aus der die Badminton-Asse des 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim im Mai als ungeschlagener Meister hervorgingen. Am Samstag um 18 Uhr wird sich der 1. BC Wipperfeld als erstes daran versuchen, den jüngsten Nimbus der Unbesiegbarkeit des nun achtfachen deutschen Mannschaftsmeisters zu widerlegen. Die Gäste aus dem Oberbergischen treffen in der Saarbrücker Joachim-Deckarm-Halle auf einen Titelträger, der zum Saisonstart auf zwei absolute Leistungsträger der vergangenen Spielzeit verzichten muss: Isabel Herttrich, in der Meistersaison in 35 Partien mit ihrer Beteiligung nur vier Mal unterlegen, wird dem BCB ebenso fehlen wie ihr männliches Pendant als Doppelspezialist, Marvin Seidel. Beide sind aktuell bei Turnieren in Asien unterwegs und stehen den Saarbrückern am Sonntag auch im ersten Auswärtsauftritt der Spielzeit nicht zur Verfügung, wenn um 15 Uhr die Partie beim Deutschen Mannschaftsmeister von 2017 und BCB-Vorgänger TV Refrath wartet. „Es war von vornherein klar, dass es aufgrund des internationalen Turnierkalenders diese Saison personell schwieriger wird“, sagt Saarbrücken-Bischmisheims Teammanager Marcel Reuter: „Viele unserer Spieler stehen in der Weltrangliste inzwischen weit oben und starten daher bei wichtigen Turnieren. Die Spitze fehlt uns deshalb ein wenig, aber wir haben eine gute Breite im Kader und sind überzeugt, den Bundesliga-Auftakt trotzdem erfolgreich gestalten zu können.“ 

Abgesehen von der vollends „bergischen“ Angelegenheit zum Saisonbeginn wartet auf den amtierenden Meister sowohl gegen den letztjährigen Bundesliga-Siebten aus Wipperfürth als auch den Halbfinalgegner beim heimischen Final-Four-Turnier aus Bergisch Gladbach noch dazu ein extrem bergiger Aufgalopp. Zwei hohe Hürden, die angesichts der suboptimalen Personalsituation wohlmöglich noch ein wenig höher daherkommen als ohnehin schon zu erwarten war. Zumal für das Herreneinzel mit dem ebenfalls anderweitig verplanten Österreicher Luka Wraber und dem langzeitverletzten Spitzenspieler Fabian Roth zwei Optionen wegfallen. Der BCB wird daher wohl auf Dieter Domke und Simon Wang setzen – und gegen Wipperfeld nicht zuletzt auf den Heimvorteil: „Es wäre wichtig, dass wir im ersten Spiel zuhause den entsprechenden Support der Zuschauer erhalten, um unter diesen Voraussetzungen dennoch einen gutes Start hinzulegen.“ Dazu soll auf dem Court dann auch Neuzugang Luise Heim beitragen. Die amtierende zweifache deutsche Einzelmeisterin wird im Gegensatz zu anderen Leistungsträgern mit von der Partie sein und am Samstag ihr Heimdebüt für den neuen Verein geben. 

Gegen Wipperfeld behielt der BCB in der Vorsaison in beiden Duellen jeweils klar mit 5:2 die Oberhand. Der letztjährige Aufsteiger hat sich speziell im Damenbereich nochmal verstärkt, indem er die Taiwanesin Lin Ying Chung verpflichtete. Die 24-Jährige war schon mal Weltranglisten-Zehnte im Mixed und ist neben den arrivierten Spielerinnen im Team, Landsfrau Ya Lang Chan und Jenny Nyström aus Finnland, eine starke neue Option. Ob das bereits in Saarbrücken der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Mit den beiden deutschen Nationalspielern Mark Lamsfuß und Jones Ralfy Jansen werden auch die Oberbergischen auf zwei Stammkräfte definitiv verzichten müssen. Generell wird beim BCW viel finnisch gesprochen, denn neben Nyström schlagen auch deren Landsleute und Nationalspieler Henri Aarnio und Ikka Heino dort auf. Der Ligaverbleib sei im zweiten Bundesliga-Jahr erneut das primäre Ziel, sagt Wipperfelds Vorsitzender Andreas Lamsfuß, ergänzt aber angriffslustig: „Von der Qualität der Mannschaft können wir durchaus auch um Platz fünf oder sechs mitspielen.“ Das wollen die Gäste schon in Saarbrücken zeigen – und dem von jedem gejagten Meister auf dem falschen Fuß erwischen. Mit dem gestiegenen Erwartungsdruck nach  der jüngsten Übersaison werden die BCB-Akteure alle zurechtkommen – davon ist Reuter überzeugt: „Unsere Spieler sind Profis und haben die Saison über viele Höhepunkte. Sie sind es einfach gewohnt, sich solchen besonderen Herausforderungen zu stellen“, sagt der Teammanager.  

In Refrath war der BCB auch letzte Saison schon im zweiten Bundesligaeinsatz zu Gast – und setzte sich dort ebenfalls mit 5:2 durch. Das Rückspiel im vergangenen Januar in der Joachim-Deckarm-Halle gestaltete sich daraufhin deutlich enger: Die Gastgeber siegten nur knapp mit 4:3, am Ende stand es im Satzverhältnis 15:15 und bei den Punkten lagen die Dauerrivalen der letzten Jahre mit 288:271 Zählern ebenfalls relativ dicht beisammen. Aufgrund  der nicht ganz günstigen Vorzeichen würde sich der BCB auch diesmal mit einem knappen Erfolg sicherlich zufriedengeben. Dass der aktuelle Branchenprimus am Saisonende erneut ganz oben stehen möchte, ist nach der Dominanz in der abgelaufenen Spielzeit ohnehin klar: „Wir wollen den Meistertitel natürlich verteidigen“, macht Reuter aus dem Ansinnen der Saarländer keinen Hehl. bene

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